Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2021

BMWi, Pressemitteilung vom 14.10.2021

  • Die nach wie vor bestehenden Lieferengpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen führen zu Produktionsbeschränkungen in der deutschen Industrie. Der industrielle Ausstoß ging im August kräftig zurück und die Industriekonjunktur dürfte auch in den kommenden Monaten gedämpft verlaufen. Die Dienstleistungsbereiche setzen derweil ihre Erholung fort und das Geschäftsklima verbesserte sich hier wieder. Im weiteren Ausblick dürfte die wirtschaftliche Entwicklung im vierten Quartal seitwärts verlaufen.
  • Die Produktion in der Industrie ist im August gegenüber dem Vormonat um 4,7 % gesunken. Die gewichtigen Bereiche Automobilindustrie und Maschinenbau fuhren ihren Ausstoß kräftig zurück. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gingen ebenfalls stark zurück, überstiegen aber nach wie vor ihr Niveau von vor der Krise und von Anfang dieses Jahres noch beachtlich. Der Ausblick für die Industriekonjunktur hat sich somit etwas eingetrübt, bleibt aber verhalten optimistisch.
  • Die Umsätze im Einzelhandel erhöhten sich im August wieder leicht und übertrafen ihr Vorkrisenniveau vom Februar 2020 spürbar.
  • Die Inflationsrate liegt mit 4,1 % auf einem hohen Niveau, sie nahm von August auf September saisonbereinigt nicht weiter zu. Schon seit Jahresbeginn ist die Inflationsrate aufgrund von Sonderfaktoren deutlich erhöht. Zu Beginn des Jahres 2022 dürfte sich die Inflationsrate nach Auslaufen der Sondereffekte jedoch wieder spürbar verringern.
  • Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich die beachtliche Erholung der letzten Monate im Zuge einer starken Herbstbelebung weiter fort. Erneut hat sich die Arbeitslosigkeit im September saisonbereinigt spürbar reduziert und auch die Erwerbstätigkeit entwickelte sich im August saisonbereinigt abermals günstig. Die Kurzarbeit sank im Juli unter 1 Mio. Personen und dürfte im August weiter fallen.
  • Im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten die deutschen Amtsgerichte 17,7 % weniger Anträge als im 1. Halbjahr 2020. Auch im Juli 2021 stagnierten die Unternehmensinsolvenzen in etwa auf Vormonatsniveau (1200, +0,3 %). Für September meldete das StBA einen Anstieg der beantragten Regelinsolvenzen von 8 % gegenüber dem Vormonat bzw. 25 % gegenüber dem Vorjahresmonat, in dem die Antragspflicht allerdings vollumfänglich ausgesetzt war. Ein deutlicher Anstieg in den kommenden Monaten ist nach allgemeiner Einschätzung aktuell nicht zu erwarten.

Lieferengpässe schlagen auf Industriekonjunktur durch – Dienstleistungen halten dagegen

Die deutsche Industrieproduktion ging im August deutlich zurück. Die nach wie vor bestehenden Engpässe bei Vorprodukten dürften die Industriekonjunktur dabei auch in den kommenden Monaten dämpfen. Die Dienstleistungsbereiche legen derweil noch einmal leicht zu. Im Produzierenden Gewerbe kam es im August zu einem breit angelegten und deutlichen Rückgang der Produktion. Insbesondere die Bereiche Kfz und Maschinenbau mussten kräftige Rückgänge ihres Ausstoßes hinnehmen. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gingen zwar ebenfalls deutlich zurück, befinden sich aber nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Sie spiegeln somit weiterhin eine grundsätzlich positive Nachfragesituation wider. Im deutschen Außenhandel kam es erstmals seit 15 Monaten zu einem Rückgang der deutschen Warenausfuhren. Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren verbesserte sich im September wieder und bleibt damit weiter überdurchschnittlich optimistisch. Gleichzeitig sind aber die globale Industrieproduktion und der Welthandel im Juli nur schwach ins dritte Quartal gestartet und stagnierten bzw. waren leicht rückläufig. Im Dienstleistungssektor kam es derweil zu einer Verbesserung des Geschäftsklimas, insbesondere die Erwartungen hellten sich angesichts der stabil verlaufenden Infektionszahlen auf. Auch die Umsätze im Einzelhandel stiegen im August leicht an und signalisieren eine robuste Konjunktur für die Dienstleistungen. Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die Erholung ungebremst fort, die Arbeitslosigkeit nahm erneut kräftig ab und auch die Kurzarbeit wurde weiter zurückgefahren. Laut Hochrechnung ist sie mittlerweile auf einem Niveau von unter 1 Mio. angelangt. Insgesamt dürfte es im laufenden dritten Quartal noch zu einem merklichen Anstieg der Wirtschaftsleistung gekommen sein. Für das vierte Quartal zeichnet sich hingegen eine Normalisierung des Wachstums ab. Neben dem weiteren pandemischen Verlauf stellen die derzeitigen Lieferengpässe das größte Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung dar.

Weltwirtschaft zunehmend gebremst

Nach einer schwachen Entwicklung im zweiten Quartal starteten die globale Industrieproduktion und der Warenhandel recht kraftlos in das zweite Halbjahr: Der weltweite Ausstoß stagnierte im Juli gegenüber dem Vormonat, während der Handel leicht rückläufig war ( 0,9 %). Dafür ist nicht nur der derzeitige Mangel an wichtigen Vorleistungsgütern wie Halbleitern verantwortlich. Die konjunkturelle Abschwächung ging vor allem von Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Dort wird der Aufschwung durch einen geringeren Impffortschritt und Infektionsschutzmaßnahmen im Zuge der Verbreitung der Delta-Variante geschwächt. Im Zuge von Lockerungen hellten sich die Stimmungsindikatoren für den globalen Dienstleistungssektor am aktuellen Rand aber leicht auf. Der Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit stieg im September um 0,6 Punkte auf 53,4 Punkte. Bei unveränderter Stimmung in der Industrie (54,1 Punkte) verhalf diese Verbesserung dem zusammengesetzten Index zu seiner ersten Erholung seit drei Monaten (+0,5 Punkte auf 53,0 Punkte). Damit rangiert er weiter oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Exporte rückläufig, Importe nehmen zu

Der Wert der Waren- und Dienstleistungsexporte ging im August gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 2,5 % zurück (Juli: +2,1 %). Im Zweimonatsvergleich ergab sich eine Zunahme um 0,9 %. Angesichts stärker steigender Ausfuhrpreise dürften sich die Exporte real allerdings verringert haben. Die Waren- und Dienstleistungsimporte stiegen im August im Vormonatsvergleich nominal und saisonbereinigt um 2,5 %. Im Juli hatte sich noch ein leichter Rückgang ergeben (-0,1 %). Im Zweimonatsvergleich stiegen die Importe um 1,9 %. Aufgrund stark steigender Einfuhrpreise dürften die Importe real jedoch zurückgegangen sein.

Auf nationaler Ebene zeichnen die Frühindikatoren zur Außenwirtschaft ein gemischtes Bild. Die Auftragseingänge aus dem Ausland brachen im August um 9,5 % gegenüber dem Vormonat ein. Diesem Minus ging allerdings ein von Großaufträgen geprägtes Plus voraus (+10,4 %). Im weniger volatilen Zweimonatsvergleich ergibt sich eine Steigerung der Auslandorders insgesamt um 5,7 %. Die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe erholten sich im September teilweise von dem deutlichen Dämpfer im Vormonat und fallen damit weiter überdurchschnittlich optimistisch aus. Etwa ein Viertel der Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten (zuvor etwa ein Fünftel).

Trotz Produktionsdämpfer bleibt Ausblick für Industriekonjunktur angesichts hoher Nachfrage-Verhalten optimistisch

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im August gegenüber dem Vormonat um 4,0 % verringert. Dabei nahm die Herstellung der Industrie um 4,7 % ab, im Baugewerbe kam es zu einem Minus von 3,1 %. Im Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni ging die Produktion im Produzierenden Gewerbe um 1,1 % zurück. Während der Ausstoß in der Industrie um 1,3 % gesunken ist, blieb er im Baugewerbe unverändert.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im August gegenüber dem Vormonat um 7,7 % ab. Im Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni kam es indes zu einem Plus in Höhe von 3,1 %. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen gingen die Ordereingänge allerdings um 1,3 % zurück. Nach einem deutlichen Aufwärtstrend seit Beginn des Jahres haben sich die Bestellungen zuletzt kräftig verringert. Maßgeblich hierfür war eine schwache Auslandsnachfrage (-9,5 %), insbesondere aus dem Nicht-Euroraum (-15,2 %). Die inländische Nachfrage war jedoch ebenfalls rückläufig (-5,2 %). Im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile betrug das Auftragsminus 12,0 %, während es sich im ebenfalls gewichtigen Maschinenbau mit -1,0 % in Grenzen hielt. Bei der jüngsten Nachfrageschwäche dürften Großaufträge im Vormonat eine Rolle gespielt haben sowie des Weiteren der Umstand, dass bei einigen Automobilherstellern die Betriebsferien dieses Jahr in den August gefallen sind. Trotz des schwachen Augusts lagen die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt immer noch auf hohem Niveau und verzeichneten Zuwächse gegenüber dem Vorkrisenmonat Februar 2020 von rund 8 ½ % und gegenüber Januar 2021 von etwa 4 %.

Die Industrieproduktion nahm nach einem freundlichen Start ins dritte Quartal im August spürbar ab. Die Lieferengpässe bei Halbleitern und Vorprodukten sowie Rohstoffen erweisen sich als gravierender als bislang erwartet. Bei dem sehr kräftigen Rückgang in der Automobilindustrie (-17,5 %) hat auch der Umstand eine Rolle gespielt, dass bei einigen Herstellern die Betriebsferien dieses Jahr im August stattfanden. Die Stimmung in den Unternehmen trübte sich zuletzt zwar dreimal hintereinander ein, war aber im ersten Halbjahr fast durchweg angestiegen. Die Exporterwartungen der Industrie verbesserten sich hingegen wieder. Insgesamt hat sich der Ausblick für die Industriekonjunktur somit zuletzt etwas eingetrübt, bleibt aber angesichts der nach wie vor hohen Nachfrage verhalten optimistisch.

Einzelhandel legt wieder etwas zu

Im Einzelhandel ohne Kfz erhöhten sich die Umsätze im August leicht um 1,1 %, nachdem sie Juli um 4,5 % gesunken waren. Das Infektionsgeschehen hatte sich wieder beruhigt, so dass die Konsumenten und die Händler weniger verunsichert waren. Der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen meldete für den August ein Umsatzplus von 3,9 % und lag damit wieder leicht über dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020 (+0,6 %). Der Internet- und Versandhandel verzeichnete einen Umsatzzuwachs von 9,0 %, womit das Vorkrisenniveau deutlich übertroffen wurde (+29,8 %). Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter kam es im September den fünften Monat in Folge zu einem Aufwuchs (+1,3 %).

Die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel fielen allerdings im September per saldo noch einmal etwas negativer aus, nachdem sie sich bereits im August deutlich verschlechtert hatten. Auch das GfK Konsumklima war im September spürbar gesunken, für Oktober wird jedoch wieder ein merklicher Anstieg erwartet. Die Konsumenten gehen wohl davon aus, dass die vierte Welle doch weniger intensiv ausgeprägt sein dürfte als bislang befürchtet.

Das Verbraucherpreisniveau blieb im September gegenüber dem Vormonat erneut stabil (±0,0 %). Die Inflationsrate, die Preisniveauentwicklung gegenüber dem Vorjahr, nahm im September um 0,2 Prozentpunkte auf 4,1 % zu. Das war der höchste Wert seit Dezember 1993. Maßgeblich für diesen leichten Anstieg im Vorjahresvergleich ist vor allem ein Basiseffekt. Im September 2020 war der Verbraucherpreisindex um 0,2 Prozentpunkte wegen niedrigerer Kraftstoffpreise zurückgegangen. Einen sprunghaften Anstieg um 1,5 Prozentpunkte verzeichnete die Inflationsrate indes erwartungsgemäß im Juli dieses Jahres. Ausschlaggebend für das erhöhte Niveau ab der Jahresmitte ist ein Basiseffekt aufgrund der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ein Jahr zuvor. Hierbei kommt es zu einem Vergleich der aktuellen Verbraucherpreise mit den „normalen“ Umsatzsteuersätzen mit denjenigen mit verminderten Umsatzsteuersätzen. Bereits zu Jahresbeginn hatten weitere Sonderfaktoren wie die Erholung der Import- und Rohstoffpreise sowie die Einführung der CO2-Bepreisung für einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate gesorgt. Nach Auslaufen der Sondereffekte dürfte sich der Auftrieb zum Jahreswechsel wieder deutlich abschwächen. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) stieg im September ebenfalls leicht auf +2,9 % (August: +2,8 %). Energie und Nahrungsmittel verteuerten sich zuletzt binnen Jahresfrist beachtlich um 14,3 % bzw. 4,9 % (August: +12,6 % bzw. 4,6 %). Aktuell lassen die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten aber eine mittelfristige Entspannung beim Ölpreis erwarten.

Starke Herbstbelebung am Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die beachtliche Erholung im September fort und die Aussichten für die nächsten Monate sind weiterhin positiv. Aufgrund der Lockerungen in vielen Dienstleistungsbereichen verringerten sich Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im September saisonbereinigt erneut um 30.000 bzw. 54.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen sank die Arbeitslosigkeit um 114.000 auf 2,47 Mio. Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren damit 393.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Auch die Erwerbstätigkeit entwickelte sich abermals positiv. Sie erhöhte sich im August saisonbereinigt um 66.000 Personen. In Ursprungszahlen waren damit 45,1 Millionen Menschen erwerbstätig, 328.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Im Juli erhöhte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 32.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Die Kurzarbeit verringerte sich laut Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Juni auf 0,9 Millionen Personen. Die Zahl der Kurzarbeitenden dürfte im August erneut fallen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt weiter an. Die Frühindikatoren von ifo und IAB entwickelten sich im September uneinheitlich. Während das ifo Beschäftigungsbarometer auf den höchsten Wert seit Oktober 2018 anstieg, ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer von seinem Höchststand aus gesunken. Insgesamt sprechen die beiden Frühindikatoren aber ebenso wie der Bestand gemeldeter offener Stellen dafür, dass sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten fortsetzt.

Anstieg der Regelinsolenzen im September 2021 Für das Jahr 2021 insgesamt jedoch keine Insolvenzwelle zu erwarten

Im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten die deutschen Amtsgerichte 17,7 % weniger beantragte Unternehmensinsolvenzen als im 1. Halbjahr 2020. Auch im Juli 2021 Stagnation auf Vormonatsniveau (+0,3). Auf Basis von Insolvenzbekanntmachungen meldete das Statistische Bundesamt für September einen Anstieg der Regelinsolvenzen von 6 % gegenüber dem Vormonat bzw. 25 % gegenüber dem Vorjahr, in dem die Antragspflicht allerdings noch vollumfänglich ausgesetzt war. Im weiteren Jahresverlauf ist ein leichter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen nicht vollständig auszuschließen, allerdings dürfte dieser – wenn überhaupt – sehr moderat ausfallen. Einige Experten gehen in aktuellen Prognosen von einer Stagnation der Unternehmensinsolvenzen im Gesamtjahr 2021 aus (Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raffeisenbanken: -1 %; Euler Hermes: -5 % jeweils ggü. 2020).

Quelle: BMWi

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