Archiv der Kategorie: Wirtschaft

ifo Exporterwartungen leicht rückläufig (August 2020)

Die deutschen Exporteure sind etwas vorsichtiger geworden. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im August von 7,5 auf 5,1 Punkte gefallen. Die deutsche Exportwirtschaft schlägt sich relativ gut angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in vielen Abnehmerländern.

Nach einem sehr starken Anstieg im Vormonat sind die Exporterwartungen in der Autobranche gesunken. Jedoch planen die Hersteller weiterhin mit deutlichen Zuwächsen. Auch die Chemische Industrie musste einen Dämpfer hinnehmen. Im Maschinenbau scheint die Exportkrise überwunden zu sein, weitere Rückgänge werden vorerst nicht erwartet. Stärkerer Optimismus beim Auslandsgeschäft zeigte sich in der Elektrobranche. Gleiches gilt für die Hersteller von Metallerzeugnissen.

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftige Erholung des Welthandels

Der Containerumschlag-Index des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) – ist nach der aktuellen Schnellschätzung im Juli weiter auf 116,2 gestiegen. Die Belebung des Welthandels gewinnt dabei an Breite.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Containerumschlag-Index des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) – ist saisonbereinigt im Juli deutlich von (revidiert) 110,2 auf 116,2 gestiegen. Er liegt damit nur noch leicht unter dem Vorjahreswert.
  • Der Wert für Juni wurde gegenüber der Schnellschätzung um 1,3 Punkte nach unten revidiert.
  • Die Belebung des Welthandels gewinnt an Breite. Der Umschlag in den chinesischen Häfen erreichte erneut ein Allzeithoch. Aber auch außerhalb Chinas erhöhte sich der Umschlag kräftig.
  • Der Nordrange-Index, der Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichen Euroraum und in Deutschland gibt, verbesserte sich um 6,8 Punkte. Das ist der kräftigste bisher gemessene Anstieg.
  • Die aktuelle Schnellschätzung für den Containerumschlag-Index stützt sich auf Angaben von 51 Häfen, die rund 74 Prozent des im Index abgebildeten Umschlags tätigen.
  • Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index für August 2020 wird am 24. September 2020 veröffentlicht.

Zur Entwicklung des Containerumschlag-Index sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Der Containerumschlag nähert sich dem vor der Corona-Krise erreichten Niveau an. Die Belebung erfasst mehr und mehr Regionen, insbesondere auch die Nordsee-Häfen.“

Über den RWI/ISL-Containerumschlag-Index:

In den Index gehen die im Rahmen des ISL Monthly Container Port Monitor fortlaufend erhobenen Angaben zum Containerumschlag in 91 internationalen Häfen ein, auf die rund 60 Prozent des weltweiten Containerumschlags entfallen.

Da der internationale Handel im Wesentlichen per Seeschiff abgewickelt wird, lassen die Containerumschläge zuverlässige Rückschlüsse auf den Welthandel zu. Weil viele Häfen bereits zwei Wochen nach Ablauf eines Monats über ihre Aktivitäten berichten, ist der RWI/ISL-Containerumschlag-Index ein zuverlässiger Frühindikator der Entwicklung des internationalen Handels mit verarbeiteten Waren und damit auch der weltwirtschaftlichen Aktivität.

Datenreihen für einzelne Häfen sind im ISL Monthly Container Port Monitor verfügbar.

ifo Geschäftsklimaindex erneut gestiegen (August 2020)

Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern ist weiter im Aufwind. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August auf 92,6 Punkte gestiegen, nach 90,4 Punkten (saisonbereinigt korrigiert) im Juli. Die Unternehmen beurteilten die aktuelle Lage im Vergleich zum Vormonat merklich besser. Ihre Erwartungen fielen zudem leicht optimistischer aus. Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs.

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima erheblich verbessert. Die Einschätzungen der Unternehmen zur aktuellen Lage machten einen Sprung nach oben. Trotzdem beurteilen noch viele Industriefirmen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel erneut optimistischer aus. Die Auftragsbücher füllen sich wieder.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindex stark gestiegen. Die Dienstleister waren deutlich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Auch der Ausblick auf die kommenden sechs Monate verbesserte sich weiter.

Im Handel hat sich die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas merklich abgeflacht. Die Händler waren zwar etwas zufriedener mit ihrer aktuellen Lage. Jedoch blieben die Erwartungen nahezu unverändert pessimistisch. Im Großhandel war das Geschäftsklima sogar rückläufig.

Im Bauhauptgewerbe befindet sich das Geschäftsklima weiter im Aufwind. Die Baufirmen waren erneut mit ihrer aktuellen Lage zufriedener. Ihre Erwartungen sind jedoch weiterhin pessimistisch, wenn auch nicht mehr so stark wie im Vormonat.

Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2020

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 2. Quartal 2020 gegenüber dem 1. Quartal 2020 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 9,7 % gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel der massive Rückgang des BIP im 2. Quartal 2020 damit nicht ganz so negativ aus wie in der Schnellmeldung am 30. Juli 2020 berichtet (-10,1 %). Der Einbruch der deutschen Wirtschaft war damit deutlich stärker als während der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 (-4,7 % im 1. Quartal 2009) und somit der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen für Deutschland ab dem Jahr 1970.

Massive Einbrüche der inländischen und ausländischen Nachfrage

Bedingt durch die anhaltende Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen brachen die privaten Konsumausgaben im 2. Quartal 2020 um 10,9 % gegenüber dem 1. Quartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt) ein. Die Investitionen in Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – gingen sogar um 19,6 % zurück. Auch die Bauinvestitionen waren im 2.Quartal mit -4,2 % deutlich rückläufig, was insbesondere auf das außergewöhnlich starke 1. Quartal zurückzuführen ist (+5,1 %). Stabilisierend wirkten lediglich die Konsumausgaben des Staates, die um 1,5 % höher waren als im Vorquartal. Sie verhinderten einen noch stärkeren Rückgang des BIP.

Ebenfalls massiv eingebrochen ist der Handel mit dem Ausland: Im 2. Quartal 2020 wurden preis-, saison- und kalenderbereinigt 20,3 % weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im 1. Quartal 2020. Die Importe gingen ebenfalls zweistellig um 16,0 % zurück. Damit waren die Rückgänge nochmals deutlich größer als während der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise im 1. Quartal 2009 (Exporte -11,0 %; Importe -5,9 %). Zu Beginn der Corona-Krise im 1. Quartal 2020 waren die Exporte bereits um 3,3 % und die Importe um 1,9 % zurückgegangen.

Bruttoinlandsprodukt bricht auch im Vorjahresvergleich ein

Auch im Vorjahresvergleich ist die Wirtschaftsleistung eingebrochen: Das BIP war im 2. Quartal 2020 preisbereinigt um 11,3 % niedriger als ein Jahr zuvor (auch kalenderbereinigt). Auch hier hatte es nicht einmal in den Jahren der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 so starke Rückgänge gegeben: Der bisher stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresquartal war mit -7,9 % im 2. Quartal 2009 zu verzeichnen gewesen.

Deutlicher Rückgang der Nachfrage aus dem In- und Ausland gegenüber dem Vorjahr

Die inländische Nachfrage gab auch im Vorjahresvergleich deutlich nach: Die Investitionen in Ausrüstungen brachen um 27,9 % ein, nachdem sie schon im 1. Quartal 2020 um 9,5 % geschrumpft waren. Auch die privaten Konsumausgaben gingen im Vergleich zum Vorjahr preisbereinigt zweistellig um 13,0 % zurück. Dagegen bewahrten die staatlichen Konsumausgaben mit einem Plus von 3,8 % die Wirtschaft vor einem noch stärkeren Absturz. Stützend wirkten im Vorjahresvergleich auch die Bauinvestitionen, die um 1,4 % höher waren als im 2. Quartal 2019.

Auch im Vorjahresvergleich ist der Außenhandel massiv eingebrochen: Im 2. Quartal 2020 wurden preisbereinigt 22,2 % weniger Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im 2. Quartal 2019. Die Importe gingen im selben Zeitraum mit -17,3 % nicht ganz so stark zurück.

Bruttowertschöpfung mit Ausnahme des Baugewerbes im Minus

Auf der Entstehungsseite des BIP war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 2. Quartal 2020 in fast allen Wirtschaftsbereichen geringer als im 2. Quartal 2019. Den größten Rückgang gab es im Verarbeitenden Gewerbe mit einem Einbruch der Bruttowertschöpfung um 20,8 %. Nur in der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gab es hier noch größere Rückgänge (-25,0 % im 2. Quartal 2009). Anders als in der damaligen Krise sind diesmal aber noch weitere Wirtschaftsbereiche von massiven Rückgängen betroffen. So nahm die Wirtschaftsleistung der Unternehmensdienstleister um 16,0 % und im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr um 12,9 % ab. Lediglich im Baugewerbe gab es im 2. Quartal 2020 einen Zuwachs der preisbereinigten Bruttowertschöpfung um 1,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Erwerbstätigkeit mit größtem Rückgang seit der deutschen Vereinigung

Die Wirtschaftsleistung wurde im 2. Quartal 2020 von rund 44,7 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 574.000 Personen oder 1,3 % weniger als ein Jahr zuvor (siehe Pressemitteilung 312/20 vom 18. August 2020). Einen Rückgang der Erwerbstätigenzahl hatte es zuletzt in der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise im 1. Quartal 2010 gegeben. Die Corona-Krise ist somit im 2. Quartal 2020 auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Dabei ist zu beachten, dass die Kurzarbeit sich nicht auf die Erwerbstätigenzahlen auswirkt, weil Kurzarbeitende weiter als Erwerbstätige zählen.

Der extreme Anstieg der Kurzarbeit im 2. Quartal 2020 zeigt sich bei der Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen: Diese verringerte sich nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit massiv um 8,8 % gegenüber dem Vorjahr. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen – also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen – ging entsprechend im selben Zeitraum noch stärker um 10,0 % zurück.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität – gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde – ging nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 % zurück. Je Erwerbstätigen war sie sogar um 10,2 % niedriger als im 2. Quartal 2019. In der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hatte es ähnlich hohe Rückgänge der Arbeitsproduktivität gegeben.

Sparquote der privaten Haushalte nahezu verdoppelt

In jeweiligen Preisen gerechnet war das BIP im 2. Quartal 2020 um 8,9 % und das Bruttonationaleinkommen um 8,3 % niedriger als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen ging mit -7,3 % nicht ganz so stark zurück: Während das Arbeitnehmerentgelt nur um 3,6 % gegenüber dem Vorjahr fiel, gingen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen aufgrund der Produktionsbeschränkungen nach ersten vorläufigen Berechnungen massiv um 17,6 % zurück. Die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lagen 4,8 % unter dem Niveau des 2. Quartals 2019, die Nettolöhne und -gehälter 4,3 %. Im Durchschnitt je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer sanken die Löhne und Gehälter weniger stark (brutto -3,9 %, netto -3,4 %). Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte war im 2. Quartal 2020 dank staatlicher Hilfen wie Kurzarbeitergeld nur um 0,8 % geringer als vor einem Jahr. Dagegen gingen die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen zweistellig um 11,7 % zurück. Das relativ stabile Einkommen einerseits und die Konsumzurückhaltung andererseits führten zu einem erheblichen Anstieg des Sparens der privaten Haushalte. Nach vorläufigen Berechnungen ergibt sich daraus fast eine Verdopplung der Sparquote auf 20,1 % im 2. Quartal 2020 im Vorjahresvergleich (2. Quartal 2019: 10,2%).

Revision der bisherigen Ergebnisse und methodische Hinweise

Beginnend mit dem 2. Quartal 2020 hat das Statistische Bundesamt erstmals das BIP bereits 30 Tage nach Quartalsende veröffentlicht, und damit rund zwei Wochen früher als bisher. Die höhere Aktualität der Ergebnisse erfordert dabei mehr Zuschätzungen. Auch die größeren Unsicherheiten aufgrund der Corona-Pandemie können zu stärkeren Revisionen als sonst üblich führen. Mit der Berechnung der ausführlichen Ergebnisse des 2. Quartals 2020 hat das Statistische Bundesamt auch das Bruttoinlandsprodukt überarbeitet. Mit den seit der Schnellmeldung am 30. Juli 2020 neu verfügbaren statistischen Informationen ergab sich für das Bruttoinlandsprodukt eine Revision um 0,4 Prozentpunkte nach oben.

Neben der Neuberechnung des 2. Quartals 2020 hat das Statistische Bundesamt wie zu diesem Zeitpunkt üblich auch weiter zurückliegende Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen überarbeitet (ab 2015). Dabei ergaben sich für das Bruttoinlandsprodukt Änderungen der bisherigen Ergebnisse von bis zu 0,4 Prozentpunkten. Bei saison- und kalenderbereinigten Werten sowie bei Kettenindizes (wegen der Änderung des Referenzjahres 2015) kommt es darüber hinaus zu geringfügigen Änderungen der Zeitreihe ab 1991.

Mehrwertsteuersenkung: 1,7 Millionen potenzielle Käufer mehr

Die Mehrwertsteuersenkung hat dazu geführt, dass in ausgewählten deutschen Einkaufsstraßen im Juli 2020 rund 1,7 Millionen mehr Passanten unterwegs waren als im Juni. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Steuersenkung trägt also deutlich dazu bei, die Krise im Einzelhandel zu überwinden.

Sei es die Kölner Schildergasse, die Frankfurter Goethestraße oder der Hamburger Jungfernstieg – die Einkaufsstraßen der deutschen Innenstädte sind für den Einzelhandel unverzichtbar. Eine neue IW-Studie hat nun die Daten der Firma Hystreet ausgewertet, die mittels Lasertechnik die Passanten in 41 besonders belebten Straßenabschnitten in 21 deutschen Städten zählt.

4,2 Millionen zusätzliche Passanten

Demnach waren im Juli 27,2 Millionen Passanten unterwegs, das waren 4,2 Millionen mehr als im Juni. Davon waren 1,7 Millionen aufgrund der Steuersenkung shoppen, zeigt die IW-Studie. „Die Mehrwertsteuersenkung wirkt und hilft vor allem dem Einzelhandel dabei, die Krise zu überwinden“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

40 Prozent der Zunahme durch Mehrwertsteuer erklärt

Um den Anteil des Mehrwertsteuereffekts zu ermitteln, berücksichtigt die Studie etliche Faktoren, die die Zahl der Passanten beeinflussen – beispielsweise das Wetter. Schließlich strömen bei Regen eher weniger Menschen in die Innenstädte. Ebenso bezieht die Studie die regional unterschiedlich hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen mit ein, aufgrund derer weniger Menschen die Innenstädte besuchen dürften. Auch regionale Maßnahmen wie Geschäftsschließungen und Öffnungen wurden berücksichtigt.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass rund 40 Prozent der zusätzlichen Passanten in den untersuchten Städten auf die Mehrwertsteuersenkung zurückzuführen sind“, sagt IW-Datenanalyst und Studienautor Henry Goecke. Allerdings bleibt abzuwarten, ob dies dem Einzelhandel auch langfristig helfen wird, die Corona-Krise zu überwinden – und ob der Trend in den kommenden Monaten anhält. „Wichtig ist bei konjunkturpolitischen Maßnahmen, dass sie zu rechten Zeit an der passenden Stelle ansetzen und befristet sind. Das ist hier der Fall“, so IW-Direktor Hüther.

9,4 % weniger Gründungen größerer Betriebe im 1. Halbjahr 2020

Im 1. Halbjahr 2020 wurden in Deutschland rund 58.000 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Auswertung der Gewerbemeldungen mitteilt, waren das 9,4 % weniger als im 1. Halbjahr 2019.

Die Ergebnisse des 1. Halbjahrs 2020 werden durch eine deutlich niedrigere Anzahl von Meldungen in den Gewerbeämtern ab März 2020 beeinflusst. Gründe hierfür sind zum einen Maßnahmen, die aufgrund der Corona-Pandemie getroffen wurden, wie zum Beispiel die Einstellung des Besucherverkehrs und Personalengpässe in den Gewerbeämtern. Zum anderen ist davon auszugehen, dass es aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit weniger Betriebsgründungen, aber auch weniger Abmeldungen gab, da Gewerbetreibende zunächst möglicherweise die weitere wirtschaftliche Entwicklung abwarten, bevor sie ein Gewerbe an- oder abmelden.

Zahl neu gegründeter Kleinunternehmen liegt 21,1 % unter Vorjahreswert

Die Zahl neu gegründeter Kleinunternehmen lag im 1. Halbjahr 2020 mit rund 68 100 deutlich unter dem Vorjahreswert (-21,1 %). Die Zahl der neu gegründeten Nebenerwerbsbetriebe nahm um 1,2 % auf knapp 140.100 zu. Die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen sank im 1. Halbjahr 2020 auf rund 324.000, das waren 8,0 % weniger als im 1. Halbjahr 2019. Zu den Gewerbeanmeldungen zählen neben Neugründungen von Gewerbebetrieben auch Betriebsübernahmen (zum Beispiel Kauf oder Gesellschaftereintritt), Umwandlungen (zum Beispiel Verschmelzung oder Ausgliederung) und Zuzüge aus anderen Meldebezirken.

Vollständige Gewerbeaufgaben gehen im 1. Halbjahr ebenfalls zurück

Rund 44.000 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung gaben im 1. Halbjahr 2020 ihr Gewerbe vollständig auf. Das waren 14,1 % weniger als im 1. Halbjahr 2019. Die Zahl der aufgegebenen Kleinunternehmen sank um 22,3 % auf fast 78 700 und die Zahl der aufgegebenen Nebenerwerbsbetriebe um 14,0 % auf rund 80.600. Damit war die Gesamtzahl der vollständigen Gewerbeaufgaben mit rund 203.300 Betrieben 17,4 % geringer als im 1. Halbjahr 2019. Auch hier ist davon auszugehen, dass die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der Gewerbeämter sowie die wirtschaftliche Unsicherheit zum Rückgang der Zahl der Abmeldungen im 1. Halbjahr 2020 geführt haben.

Die Zahl der Gewerbeabmeldungen insgesamt bei den Gewerbeämtern lag im 1. Halbjahr 2020 mit rund 259.100 um 16,1 % unter dem Vorjahreswert. Bei dieser Gesamtzahl handelt es sich nicht nur um Gewerbeaufgaben, sondern auch um Betriebsübergaben (zum Beispiel Verkauf oder Gesellschafteraustritt), Umwandlungen oder Fortzüge in andere Meldebezirke.

Hinweise zur Definition von Betrieben mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung und Kleinunternehmen: Von einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung wird ausgegangen, wenn ein Betrieb durch eine juristische Person oder einer Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit (Personengesellschaft) gegründet beziehungsweise aufgegeben wird. Auch von natürlichen Personen gegründete beziehungsweise aufgegebene Betriebe können hierunter fallen, sofern die Person im Handelsregister eingetragen ist, Arbeitnehmerinnen beziehungsweise Arbeitnehmer beschäftigt oder bei der Gründung eine Handwerkskarte besitzt.

Ein Kleinunternehmen ist definiert als Unternehmen, dessen Hauptniederlassung durch eine Nicht-Kauffrau oder einen Nicht-Kaufmann gegründet beziehungsweise aufgegeben wird und das nicht im Handelsregister eingetragen ist. Das Unternehmen beschäftigt zudem keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und besitzt bei der Gründung keine Handwerkskarte.

Nebenerwerbsbetriebe sind Betriebe, die neben einer Haupterwerbstätigkeit im gewerblichen Bereich angemeldet werden.

In Bayern am meisten Kurzarbeiter

Bayern ist das Bundesland mit den meisten Kurzarbeitern. Das geht aus exklusiven Umfragezahlen des ifo Instituts hervor. Demnach waren dort im Juli schätzungsweise 21 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten auf Kurzarbeit oder 1,2 Millionen Menschen. In Baden-Württemberg waren es 19 Prozent oder 900.000 Menschen. Niedersachsen und Bremen kamen auf 17 Prozent oder 580.000 Menschen. „Gerade in den Ländern mit bedeutender Automobil- und Zuliefererindustrie wird besonders viel Kurzarbeit gefahren“, sagt ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link.

Im größeren Nordrhein-Westfalen waren es 16 Prozent oder 1,1 Millionen Menschen. Es folgen Hessen mit ebenfalls 16 Prozent oder 420.000 Menschen. Auf den Plätzen befinden sich Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit 15 Prozent oder 430.000 Kurzarbeitern sowie Schleswig-Holstein und Hamburg mit ebenfalls 15 Prozent oder 290.000 Menschen.

Weniger betroffen sind Sachsen mit 14 Prozent oder 230.000 Menschen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit 13 Prozent oder 240.000 Menschen. Am wenigsten Kurzarbeit gibt es in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 12 Prozent oder 200.000 Menschen.

Insgesamt schätzt das ifo Institut die Zahl der Kurzarbeiter im Juli auf etwa 5,6 Millionen Menschen.

Firmen fragen in der Corona-Krise mehr Kredite nach, Banken aber sind zurückhaltender

Die Unternehmen in Deutschland fragen in der Corona-Krise mehr Kredite nach, berichten aber von größerer Zurückhaltung bei den Banken. Das geht aus einer ifo-Umfrage für das zweite Vierteljahr hervor. 34,4 Prozent der Firmen gaben an, Kreditverhandlungen mit Banken geführt zu haben, was nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert vom ersten Quartal 2017 liegt. Im ersten Quartal 2020 lag der Wert erst bei 29,3 Prozent. „Von denen, die verhandelten, berichteten 19,4 Prozent von einem eher zurückhaltenden Verhalten der Banken. Dies ist der Höchststand seit 2017″, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Befragungen beim ifo Institut.

Insbesondere in der Gastronomie gaben 68,7 Prozent der Firmen an, Kreditverhandlungen geführt zu haben. Bei den Hotels (60,7 Prozent) oder in der der Reisebranche (50,7 Prozent) lagen die Anteile ebenfalls erheblich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Mit 37,6 Prozent wurde auch im Einzelhandel ein neuer Rekord für die Branche erreicht. Gleiches gilt für die Industrie mit 34,6 Prozent und den Großhandel mit 31,1 Prozent. Hingegen berichteten auf dem Bau unterdurchschnittlich viele Unternehmen von laufenden Kreditverhandlungen (23,8 Prozent). „Der Bau ist auch geringer von der Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagt Wohlrabe.

Bei den Unternehmen, die über Kredite verhandelten und sich über Zurückhaltung der Banken beklagten, lag der Anteil mit 22,1 Prozent in der Industrie über dem Durchschnitt von 19,4 Prozent; im Vorquartal betrug er nur 15,1 Prozent. Besonders stark war der Anstieg der Kredithürde im Bauhauptgewerbe. Von einem sehr niedrigen Niveau (6,6 Prozent) im ersten Quartal hat sich der Anteil der Klagen zuletzt mehr als verdoppelt und liegt nun bei 17,4 Prozent. Bei den Dienstleistern stieg der Wert von 16,2 auf 19 Prozent, im Großhandel sank er gar von 14,6 auf 13,0 Prozent.

Erstes Halbjahr 2020: KfW-Fördervolumen durch Corona-Hilfe mehr als verdoppelt

Die KfW Bankengruppe hat im ersten Halbjahr 2020 ein Zusagevolumen von 76,2 Mrd. Euro erreicht und damit den Vorjahreswert mehr als verdoppelt (Vorjahreszeitraum 33,6 Mrd. Euro, +127 %). Die inländische Förderung erfuhr aufgrund der Corona-Hilfsprogramme sogar eine Verdreifachung ihres Volumens auf 63,0 Mrd. Euro (20,8 Mrd. Euro, +203 %). Auch die Nachfrage nach Wohnungsbauförderung hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt (12,7 Mrd. Euro; Vorjahr 5,4 Mrd. Euro). Die Beteiligungstochter KfW Capital steigerte ihre Zusagen des ersten Halbjahres auf 139 Mio. Euro (77 Mio. Euro). In der Export- und Projektfinanzierung sind die Zusagen der KfW IPEX-Bank auf 11,3 Mrd. Euro (10,0 Mrd. Euro) angestiegen. Die Förderung der Entwicklungs- und Schwellenländer erreichte insgesamt 2,0 Mrd. Euro (2,1 Mrd. Euro). Die Zusagen der KfW Entwicklungsbank lagen mit einem Zusagevolumen von 1,4 Mrd. Euro leicht unter dem Vorjahresniveau von 1,7 Mrd. Euro. Die DEG schloss das erste Halbjahr mit einem Neugeschäft in Höhe von 0,6 Mrd. Euro (0,4 Mrd. Euro) ab.

Das Geschäftsjahr 2020 der KfW wird maßgeblich von dem KfW-Sonderprogramm „Corona-Hilfe“ geprägt, das die KfW im Auftrag der Bundesregierung und im Schulterschluss mit den Finanzierungspartnern aufgesetzt hat. Bis zum 30.06.2020 wurden etwa 70.000 Kreditanträge entgegengenommen und 33,6 Mrd. Euro an Zusagen herausgelegt. Rund 97 % der Anträge kamen von kleinen und mittleren Unternehmen, von denen 99,8 % der Kredite ein Volumen bis 3 Mio. Euro haben. Damit profitiert vor allem der deutsche Mittelstand von der KfW-Corona-Hilfe. Bis heute wurden für die KfW- Corona-Hilfe (Stand 11.08.2020) 81.359 Anträge gestellt, von denen 99,7 % bereits abschließend bearbeitet worden sind. Das Zusagevolumen liegt bei 42,6 Mrd. Euro.

Um Startups und junge Technologie-Unternehmen während der Corona-Krise zu unterstützen, wurde die Säule 1 der Startup-Hilfen des Bundes (inkl. der Corona Matching Fazilität) aufgesetzt, sowie weitere Fördermittel im Rahmen von Globaldarlehen über Landesförderinstitute zur Verfügung gestellt. Über die Säule 1 können VC-Fonds Finanzierungsmittel zur Unterstützung von Startups in Deutschland erhalten. Bislang gingen bei KfW Capital und dem EIF 75 Anträge von VC-Fonds mit einen Volumen von rund 1,1 Mrd. Euro ein. Elf Anträge mit einem Volumen von 375 Mio. Euro konnten bisher bewilligt werden; die Fonds können diese Mittel in über 230 Startups investieren. Eine zusätzliche Maßnahme der Corona-Hilfe ist der KfW-Studienkredit, der bis zum 31.03.2021 zum Nullzins angeboten wird, um Studierende in der Krise zu unterstützen. Momentan haben rund 24.000 Studierende einen Kredit mit einem Antragsvolumen von rund 700 Mio. Euro gestellt. Dies ist rund das Fünf- bis Sechsfache an Anträgen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Stand 11.08.2020).

„Die KfW hat im ersten Halbjahr 2020 die höchste Förderleistung ihrer Geschichte abgeliefert, in einer Zeit, in der durch die Corona-Krise die deutsche Wirtschaftsleistung so stark eingebrochen ist wie nie zuvor. Das entschlossene Vorgehen der Bundesregierung, bei dem die KfW-Corona-Hilfe ein wichtiger Baustein ist, zeigt aber Wirkung“, sagte Dr. Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe. „Die KfW-Corona-Hilfe wurde im Eiltempo mit dem Bund und unseren Finanzierungspartnern aufgesetzt. Dabei hat sich die jahrelange gute Zusammenarbeit erneut bewährt.“

Die Corona-Pandemie hat die gesamte Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt. Hiervon sind Unternehmen und in der Folge auch Banken massiv betroffen. Auch für die KfW resultieren hieraus wesentliche Belastungen in ihrer Risikovorsorge und der Bewertung ihrer Beteiligungsengagements, die bereits den Abschluss des ersten Quartals 2020 prägten und sich im zweiten Quartal fortsetzten. Nach einem Konzerngewinn von 904 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2019 schloss das erste Halbjahr 2020 mit einem Verlust von 576 Mio. Euro ab. Hierbei verbesserte sich das Betriebsergebnis vor Bewertungen gegenüber dem Vorjahr mit 967 Mio. Euro um fast 15 %, während das Bewertungsergebnis die Ertragslage mit rund 1,5 Mrd. Euro belastete. Von diesen 1,5 Mrd. Euro sind ca. 1,1 Mrd. Euro den Auswirkungen der Corona-Krise zuzurechnen. Das negative Bewertungsergebnis resultiert aus zusätzlicher Risikovorsorge sowie aus Bewertungsabschlägen im Beteiligungsportfolio, die insbesondere das Geschäftsfeld Förderung Entwicklungs- und Schwellenländer betreffen.

„Die Ertragsentwicklung der KfW im zweiten Quartal 2020 verläuft operativ unverändert sehr erfreulich. Jedoch hat die Corona-Krise die KfW Ertragslage weiter stark belastet. Bei der Dotierung der Risikovorsorge und bei den Bewertungen tragen wir mit pauschalen Annahmen auf Basis der Entwicklung in Branchen und Regionen unserer Erwartung Rechnung, dass individuelle Ausfälle im Kreditgeschäft und Belastungen im Beteiligungsgeschäft erst zeitlich verzögert eintreffen. Die KfW bleibt aber mit einer Kernkapitalquote von 23,5 % gut aufgestellt“, sagt Dr. Bräunig.

Das Betriebsergebnis vor Bewertungen (vor Förderaufwand) betrug 967 Mio. Euro (843 Mio. Euro). Der Zinsüberschuss (vor Förderaufwand) lag mit 1.302 Mio. Euro über dem Vorjahr (1.222 Mio. Euro) und stellt unverändert die wesentliche Ertragsquelle der KfW dar. Das Provisionsergebnis trug mit 300 Mio. Euro nach 247 Mio. Euro im Vorjahr zum Ergebnis bei und unterstützt neben dem mit 636 Mio. Euro auf Vorjahresniveau liegenden Verwaltungsaufwand (625 Mio. Euro) diese positive Entwicklung.

Im aktuellen Zinsumfeld war der Bedarf an Zinsverbilligungsleistungen weiter niedrig. In der Folge bewegte sich der zu Lasten der eigenen Ertragslage erbrachte Förderaufwand im Inlandsgeschäft – im Wesentlichen Zinsverbilligungen des Neugeschäfts – mit 54 Mio. Euro unverändert auf einem sehr niedrigen Niveau (86 Mio. Euro).

Das Bewertungsergebnis ist stark geprägt durch die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie, die im ersten Halbjahr 2020 signifikant zu dem Risikovorsorgeergebnis im Kreditgeschäft in Höhe von insgesamt -781 Mio. Euro (+10 Mio. Euro) beigetragen haben. Die pandemiebedingten Ergebnisbelastungen in Höhe von 587 Mio. Euro resultieren insbesondere aus der Vorsorgebildung für kritische Branchen und Länder in Form einer pauschalen, vorausschauenden Vorsorge. Die Risikovorsorge aus individuellen Ratingverschlechterungen bewegt sich im Wesentlichen noch außerhalb des Bereichs von Ausfällen, diese haben sich bis zum 30.06.2020 nur in Einzelfällen ergeben. Die KfW erwartet eine Zunahme der individuellen Ausfälle mit zeitlichem Versatz ab dem zweiten Halbjahr. Die hieraus entstehenden weiteren Belastungen im Ergebnis sollen durch die bereits zum 30.06.2020 antizipierte pauschale Risikovorsorge abgemildert werden. Daneben resultieren aus dem Beteiligungsportfolio Bewertungsabschläge von 557 Mio. Euro (+53 Mio. Euro), die bereits im Abschluss des ersten Quartals unter Berücksichtigung pauschaler Annahmen für die kritischen Branchen und Regionen getroffen wurden. Diese betrafen insbesondere das Geschäftsfeld Förderung Entwicklungs- und Schwellenländer.

Die coronabedingten Bewertungseffekte führten zu latenten Steuererträgen, sodass sich das Ertragssteuerergebnis auf +39 Mio. Euro (-26 Mio. Euro) beläuft.

Rein IFRS-bedingte Bewertungseffekte aus Derivaten, die zu Sicherungszwecken eingesetzt werden, belasten die Ertragslage mit 184 Mio. Euro (+99 Mio. Euro). Das für die Steuerung der KfW relevante Konzernergebnis vor IFRS-Effekten aus Sicherungszusammenhängen beträgt -392 Mio. Euro und hat sich damit gegenüber dem ersten Quartal 2020 (-517 Mio. Euro) verbessert. Pandemiebedingt liegt das Ergebnis vor IFRS-Effekten aus Sicherungszusammenhängen jedoch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (+805 Mio. Euro).

Die Bilanzsumme ist aufgrund der Auszahlungen im KfW Sonderprogramm 2020 im ersten Halbjahr auf 522,3 Mrd. Euro angestiegen (gegenüber 506,0 Mrd. Euro per 31.12.2019). Das bilanzielle Eigenkapital ging insbesondere infolge des Konzernverlustes um 0,4 Mrd. Euro auf 30,9 Mrd. Euro zurück. Gegenläufig wirkten hier positive Effekte aus der ergebnisneutralen Bewertung der Pensionsverpflichtungen sowie begebener Schuldverschreibungen, die in der Fair Value-Kategorie geführt werden, in Höhe von insgesamt 0,2 Mrd. Euro.

Die aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalquoten des Konzerns bewegen sich weiterhin auf einem guten Niveau. Die Gesamtkapitalquote beträgt per 30.06.2020 23,7 % (31.03.2020: 24,1 %).

Ergebnisse der Förderaktivitäten im Einzelnen

Das Neugeschäft des Geschäftsfelds Mittelstandsbank & Private Kunden erreichte per 30.06.2020 ein Fördervolumen von 48,7 Mrd. Euro (17,8 Mrd. Euro).

Mit Zusagen in Höhe von 30,7 Mrd. Euro (8,4 Mrd. Euro) erhöhte sich die Kreditnachfrage insbesondere im Segment Mittelstandsbank aufgrund des Corona-Sonderprogramms erheblich.

  • Das Fördervolumen im Schwerpunkt Gründung & Unternehmensinvestitionen ist mit 26,5 Mrd. Euro gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 (4,0 Mrd. Euro) deutlich gestiegen. Haupttreiber war der KfW-Unternehmerkredit mit 20,2 Mrd. Euro, davon 19,3 Mrd. Euro aus dem Corona-Sonderprogramm. Im dazugehörigen KfW-Schnellkredit wurden 4,1 Mrd. Euro zugesagt.
  • Der Förderschwerpunkt Innovation erreichte 0,4 Mrd. Euro (0,3 Mrd. Euro). Hier entwickelte sich der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit seit Start des zusätzlichen Förderzuschusses Anfang Februar positiv.
  • Im Schwerpunkt Energieeffizienz & Erneuerbare Energien lagen die Neuzusagen in Höhe von 3,9 Mrd. Euro leicht unter Vorjahresniveau (4,1 Mrd. Euro). Zurückzuführen war dies überwiegend auf das ausgelaufene Energieeffizienzprogramm Abwärme (1,0 Mrd. Euro). Erfreulich entwickelte sich dagegen das KfW-Programm Erneuerbare Energien mit 1,8 Mrd. Euro (0,8 Mrd. Euro). Grund hierfür waren unter anderem günstige Kreditnehmerkonditionen.

Das Segment Private Kunden erzielte zum Ende des zweiten Quartals ein Fördervolumen von 18,0 Mrd. Euro und lag damit trotz Corona-Krise deutlich über dem Vorjahr (9,4 Mrd. Euro).

  • Die Zusagen für private Kunden im Förderschwerpunkt Energieeffizienz & Erneuerbare Energien erreichten mit 12,7 Mrd. Euro (5,4 Mrd. Euro) einen neuen Höchststand. Ein Grund für den starken Anstieg der Förderzahlen waren die zu Jahresanfang vorgenommenen deutlichen Verbesserungen in der Produktfamilie Energieeffizient Bauen und Sanieren, mit denen die Bundesregierung die Beschlüsse des Klimakabinetts umgesetzt hat. Mit geförderten Investitionen in mehr als 215.000 energieeffiziente Wohneinheiten im ersten Halbjahr 2020 setzte die KfW im Auftrag der Bundesregierung wichtige Impulse für die Energiewende im Gebäudebereich und stützte gleichzeitig die vorwiegend mittelständischen Handwerksbetriebe. Damit gehen Klimaschutz und Konjunktur Hand in Hand.
  • Sehr erfreulich waren auch die Zusagen im Bereich Wohnen & Leben mit 4,2 Mrd. Euro (3,1 Mrd. Euro). Das weiterhin stark nachgefragte KfW-Wohneigentumsprogramm trug mit einem Fördervolumen in Höhe von 2,8 Mrd. Euro (1,7 Mrd. Euro) den größten Anteil dazu bei.
  • Mit 1,0 Mrd. Euro Neuzusagen lag die Bildungsfinanzierung insbesondere aufgrund der attraktiven Produktänderungen im KfW-Studienkredit als Corona-Hilfsmaßnahme (Nullzins bis zum 30.03.2021 und Erweiterung des Antragstellerkreises um ausländische Studierende) über dem Vorjahresniveau (0,9 Mrd. Euro).

Im Geschäftsfeld Individualfinanzierung & Öffentliche Kunden lag das Zusagevolumen mit 14,2 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2020 ebenfalls sehr deutlich über dem Vorjahreswert von 3,0 Mrd. Euro. Auch hierfür waren die Zusagen aus dem Corona-Sonderprogramm maßgeblich.

In der Individualfinanzierung Unternehmen wurde das Fördervolumen von der starken Nachfrage nach Direktbeteiligungen für Konsortialfinanzierung im Rahmen der Corona-Hilfe dominiert. Bei einem Zusagevolumen von insgesamt 10,1 Mrd. Euro (0,2 Mrd. Euro) wurden innerhalb des Corona-Sonderprogramms bis zum Stichtag 9,3 Mrd. Euro an mittlere und größere Unternehmen zugesagt.

Auch das Geschäftsvolumen für Kommunale & Soziale Infrastruktur zeigte mit einem Zusagevolumen von fast 2,0 Mrd. Euro einen Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1,6 Mrd. Euro). Während die Basisprogramme für Kommunen sowie kommunale und soziale Unternehmen einen stabilen Beitrag zum Geschäftsvolumen leisteten, verzeichneten die Programme zur Unterstützung der Energiewende im kommunalen Bereich mit 0,6 Mrd. Euro eine erfreuliche Steigerung zum Vorjahr (0,5 Mrd. Euro).

Die Individualfinanzierung Banken & Landesförderinstitute erfuhr mit knapp 2,1 Mrd. Euro eine erhebliche Steigerung zum Vorjahreszeitraum (1,2 Mrd. Euro). Hauptgrund hierfür war die gestiegene Nachfrage nach Allgemeiner Refinanzierung der Landesförderinstitute sowie größere Einzeltransaktionen in der Refinanzierung Hermes-gedeckter Exportkredite.

Im ersten Halbjahr 2020 wurden im Geschäftsfeld KfW Capital trotz Corona-Pandemie Zusagen an deutsche und europäische VC-Fonds in Höhe von 139 Mio. Euro (77 Mio. Euro) gegeben. Auf das Programm „ERP-VC-Fondsinvestments“ entfielen davon 137 Mio. Euro, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung von rund 80 % bedeutet (77 Mio. Euro): 9 VC-Fonds erhielten von KfW Capital mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens Zusagen für Kapitalabrufe zur Finanzierung von innovativen Technologieunternehmen in Deutschland. Um Startups in Deutschland während der Pandemie mit Liquidität zu versorgen, haben KfW Capital und KfW gemeinsam mit der Bundesregierung die Corona Matching Fazilität (CMF), konzipiert. Seit 14.5.2020 können sich VC-Fonds bei KfW Capital und seit 18.5.2020 auch beim EIF akkreditieren lassen. Das Programm setzt auf den bewährten Prozess von KfW Capital auf: VC-Fonds können ihre Mittel zur Finanzierung von Start-ups, die während der Corona-Krise Kapital benötigen, durch öffentliches Geld von KfW Capital oder dem EIF zu stets gleichen Bedingungen ergänzen.

Die KfW IPEX-Bank, die das Geschäftsfeld Export- und Projektfinanzierung verantwortet, und Finanzierungen zur Förderung von Wettbewerbsfähigkeit und Internationalisierung deutscher und europäischer Unternehmen bereitstellt, setzte ihren guten Jahresstart mit etwas abflachender Wachstumskurve fort: Mit einem Neuzusagevolumen von insgesamt 11,3 Mrd. Euro lag sie dabei noch immer über dem Niveau des Vorjahreszeitraumes (10,0 Mrd. Euro). Wegen der Auswirkungen der Corona-Krise auf den Welthandel und große Teile der gesamten Weltwirtschaft rechnet die KfW IPEX-Bank im weiteren Jahresverlauf mit Neugeschäft unterhalb des Vorjahresniveaus.

Das Zusagevolumen im Geschäftsfeld Förderung der Entwicklungs- und Schwellenländer lag bei 2,0 Mrd. Euro (2,1 Mrd. Euro). Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank hat im ersten Halbjahr 2020 für Vorhaben in Entwicklungs- und Schwellenländern 1,4 Mrd. Euro (1,7 Mrd. Euro) zugesagt. Die KfW Entwicklungsbank wird das Corona-Sofortprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) allein im Jahr 2020 mit bis zu 5 Mrd. Euro fördern und damit Entwicklungsländer im zweiten Halbjahr 2020 maßgeblich unterstützen. Dadurch ist mit einen Anstieg der Förderzusagen zu rechnen. Das DEG-Neugeschäft entwickelte sich im zweiten Quartal 2020 angesichts der anhaltend herausfordernden Rahmenbedingungen erfreulich: Zum 30.06.2020 konnte die DEG 599 Mio. Euro für Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern zusagen und damit deutlich mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (374 Mio. Euro). Davon sind 183 Mio. Euro für Finanzinstitute bestimmt, die damit lokale kleine und mittlere Unternehmen mit Krediten versorgen. Regional betrachtet entfiel der Großteil der neu zugesagten Finanzierungen auf Afrika und Asien. Angesichts der Corona-Pandemie und ihrer Auswirkungen setzt sich die DEG mit verschiedenen Programmen dafür ein, private Unternehmen in Entwicklungsländern gezielt bei ihren aktuellen Herausforderungen zu unterstützen.

Das Geschäftsfeld Finanzmärkte hat im ersten Halbjahr 2020 für das Green-Bond-Portfolio in zehn Wertpapiere zur Förderung von Klima- und Umweltschutzprojekten im Volumen von rund 221 Mio. Euro investiert.

Zur Refinanzierung ihres Fördergeschäftes nahm die KfW per 30.06.2020 langfristige Mittel im Gegenwert von 35,9 Mrd. Euro in 14 verschiedenen Währungen an den internationalen Kapitalmärkten auf. Für das Gesamtjahr 2020 plant die KfW ein Refinanzierungsvolumen von 65 Mrd. Euro.

Für die Refinanzierung des Sonderprogrammes des Bundes steht der KfW über den bundeseigenen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) eine neue Refinanzierungsquelle zur Verfügung, welche bis zu einer Höhe von maximal 100 Mrd. Euro in Anspruch genommen werden kann. Im dritten Quartal 2020 soll erstmals eine Refinanzierung über den WSF in Höhe von bis zu 30 Mrd. Euro erfolgen. Die KfW plant im zweiten Halbjahr wieder regelmäßig mit der Emission liquider Anleihen am Kapitalmarkt präsent zu sein. Im Zuge ihres für das zweite Halbjahr ausstehenden Refinanzierungsbedarfs von rund 30 Mrd. Euro wird die Förderbank ihre Emissionsaktivitäten auch im USD-Markt wieder verstärken. Für das Gesamtjahr 2020 hat die KfW nach wie vor ein Zielvolumen bei Green-Bond-Emissionen von bis zu 8 Mrd. Euro.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2020

  • Die deutsche Wirtschaft erlebte im ersten Halbjahr einen historischen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Trotz weiter schwelender Pandemie befindet sie sich seit der Lockerung des harten Shutdown ab Mai bereits wieder auf dem Weg der Erholung. Dieser wird sich aber länger hinziehen.
  • Der zunächst schnelle Aufholprozess der Industrie setzt sich fort, wird aber angesichts der schwachen Auslandsnachfrage an Fahrt verlieren. Er wurde bislang maßgeblich vom Bereich Kfz und Kfz-Teile getrieben.
  • Am Arbeitsmarkt zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Die Arbeitslosigkeit sank im Juli nach drei Monaten mit heftigen Anstiegen um 18.000 Personen ggü. Juni. Ersten Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit zufolge geht die Kurzarbeit im Juni von 6,7 Mio. Personen auf 4,5 Mio. Personen zurück. Die Erwerbstätigkeit sank im Juni nur noch leicht. Die Frühindikatoren haben sich weiter erholt.

Allgemeine Lage: Wirtschaftliche Lage in der Pandemie

Ende Juli meldete das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal einen historischen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 10,1 %. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen mit Ausnahme des Baugewerbes brach die Wirtschaftsleistung teilweise massiv ein. Dank des umfangreichen Einsatzes von Kurzarbeit konnte sich die Beschäftigung davon weitgehend entkoppeln. Mit der schrittweisen Lockerung der Einschränkungen hat für die deutsche Wirtschaft ab Mai bereits wieder der Erholungsprozess eingesetzt. Die Industrie konnte ihre Erzeugung und ihren Absatz im Mai und Juni kräftig ausweiten. Ihr Produktionsniveau lag Stand Juni dennoch erst bei gut 87 % des Jahresendquartals 2019 vor Ausbruch der Pandemie. Auch in vielen Dienstleistungsbereichen ist eine wirtschaftliche Erholung zu beobachten. Angesichts der hierdurch bereits wieder etwas günstigeren Ausgangslage wird es im dritten Quartal zu einem kräftigen Wiederanstieg des Bruttoinlandsprodukts kommen. Die weitere konjunkturelle Belebung hängt dabei ganz maßgeblich vom Pandemieverlauf im In- und Ausland ab. Einige Volkswirtschaften unserer Handelspartner sind durch die Pandemie weiterhin stark belastet. Schon deshalb wird nach der ersten kräftigeren Erholung im Mai und Juni der weitere Erholungsprozess der deutschen Wirtschaft nur langsam voranschreiten und noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Grundsätzlich sind die Unternehmen aber wieder merklich zuversichtlicher gestimmt. Laut ifo Konjunkturtest vom Juli sind die gesamtwirtschaftlichen Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate per saldo bereits wieder positiv und günstiger als im Jahr 2019.

Weltwirtschaft: Aussichten verbessern sich

Während die Rückschau für die Weltkonjunktur düster ausfällt, signalisieren Frühindikatoren eine Erholung im weiteren Jahresverlauf. Die globale Industrieproduktion wurde im Zeitraum April/Mai um rund 12 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gedrosselt. Der weltweite Warenhandel fiel sogar um etwa 17 %. Auch anhand erster Meldungen großer Volkswirtschaften zur BIP-Entwicklung im zweiten Quartal wird das Ausmaß der Corona-Rezession in der ersten Jahreshälfte deutlich. Im Euroraum ging das BIP um 12,1% und in den USA um 9,5 %zurück. Für das zweite Halbjahr senden Stimmungsindikatoren hingegen positive Signale. Der globale Einkaufsmanagerindex (PMI) von J.P.Morgan/ IHS Markit für die Industrie kletterte im Juli erstmals seit Januar mit 50,3 Punkten über seine Wachstumsschwelle.

Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft hängt maßgeblich vom Verlauf der Corona-Pandemie sowie den Maßnahmen und Verhaltensänderungen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung des Virus ab. Dabei sind die einzelnen Länder in den verschiedenen Teilen der Welt in unterschiedlichem Maße betroffen. Laut Robert-Koch-Institut vermeldet China als Ausgangspunkt der Pandemie aktuell nur noch geringe Fallzahlen und befindet sich bereits in einer wirtschaftlichen Erholungsphase mit einem BIP-Wachstum von 11,5 % im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal. Derweil entwickeln sich andere Länder leider zu Corona-Hot-Spots (mehr als 120 Fälle je 100.000 Einwohner). Dazu zählen die USA, Südafrika und Teile Lateinamerikas, unter anderem Brasilien und Argentinien. Erhöhte Fallzahlen (60-119 Fälle) lassen sich aber auch in Süd- und Ost-Europa wie etwa in Spanien, Rumänien und Ungarn sowie in schwächerer Abstufung (20-59 Fälle) in Russland, Indien, Schweden und Großbritannien beobachten. Dies verdeutlicht, dass das außenwirtschaftliche Umfeld für die deutsche Wirtschaft noch einige Zeit schwierig bleiben dürfte.

Deutscher Aussenhandel erholt sich weiter

Im Juni setzte sich die Erholung der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen fort. Gegenüber dem Vormonat stiegen sie saisonbereinigten und nominal um 10,8 %. Im Mai konnte bereits mit einem Plus von 8,2 % eine deutliche Steigerung nach dem Pandemie-bedingten Einbruch verzeichnet werden. Für das zweite Quartal ergab sich noch eine spürbare Abnahme von 21,2 %. Das Niveau der Waren- und Dienstleistungsexporte liegt trotz des eingesetzten Aufholprozesses erst etwa bei 83 % des Niveaus vor Beginn der Corona-Krise im Februar.

Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen sind noch weiter vom Vorkrisenniveau entfernt. Das liegt auch daran, dass ihr Wachstum im Juni saisonbereinigt und nominal gegenüber dem Vormonat mit 5,4 % gegenüber Mai vergleichsweise schwach ausfiel (Mai: +2,4 %). Im Quartalsvergleich sanken die Importe noch um beispiellose 19,3 %.

Die Frühindikatoren zur Außenwirtschaft deuten eine weitere Erholung an. Die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe lagen im Juli per saldo erstmals seit Januar wieder im positiven Bereich. Auch die Auftragseingänge aus dem Ausland erholten sich im Juni weiter mit einem kräftigen saisonbereinigten Plus von 22,0 % gegenüber Mai. Diese Signale deuten darauf hin, dass sich der Aufholprozess im weiteren Jahresverlauf fortsetzt. Dieser wird sich allerdings noch hinziehen.

Industriekonjunktur – Erholung setzt sich fort

Die seit Mai einsetzende Erholung der Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im Juni kräftig fortgesetzt. Saisonbereinigt stieg sie um 8,9 %. In der Industrie war der Zuwachs mit +11,1 % erneut besonders ausgeprägt. Wie bereits im Mai war hierfür ein deutliches Plus von 54,7 % im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile maßgeblich. Nachdem dort die Erzeugung im April weitestgehend zum Stillstand gekommen war, lag sie zuletzt bereits wieder bei rd. 80 % des Niveaus vom vierten Quartal 2019, vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Bau, der bislang weniger Einschränkungen durch Corona erfuhr, verzeichnete einen Anstieg in Höhe von 1,4 %. Im Quartalsvergleich schlägt der harte Shutdown im April zu Buche. So hat sich die Produktion im Produzierenden Gewerbe im zweiten Vierteljahr gegenüber der Vorperiode um 16,1 % verringert. In der Industrie lag das Minus bei 19,3 % und im Baugewerbe bei 4,2 %. Diese spürbar negativen Quartalswerte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Verlauf des zweiten Vierteljahrs bereits zu einer deutlichen Erholung gekommen ist.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erholten sich im Juni gegenüber dem Vormonat kräftig um 27,9 %, nach der eher noch verhaltenen Belebung im Mai um 10,4 %. Die Bestellungen von Investitionsgütern nahmen dabei kräftig um 45,7 % zu (Bereich Kfz/Kfz-Teile: +66,5 %). Auch bei Vorleistungsgütern war der Zuwachs beachtlich (+10,6 %), während der bei Konsumgütern moderat ausfiel (+1,1 %). Im Quartalsvergleich ergab sich auch bei den Ordereingängen im Verarbeitenden Gewerbe ein deutlicher Rückgang von 22,9 %, vor allem wegen der schwachen Nachfrage aus dem Nicht-Euroraum (-30,7 %) und Euroraum (-26,2 %).

Die Juni-Daten zu Produktion und Auftragseingängen zeigen somit ebenso wie das ifo Geschäftsklima und der PMI eine deutliche Erholung der Industriekonjunktur an. Laut den Umfragen von ifo und IHS Markit/BME im Juli gehen die Unternehmen von einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäfte in den kommenden Monaten aus. Der Aufholprozess dürfte aber in Anbetracht der anhaltend schwachen Auslandsnachfrage und der Unwägbarkeiten des Pandemieverlaufs noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Einzelhandel belebt sich spürbar

Seit Mai nimmt der Konsum auf Grund wieder geöffneter Geschäfte deutlich zu. Der Einzelhandel ohne Kfz verbuchte durch Nachholbedarf und unterstützt durch den boomenden Versand- und Internethandel Rekordumsätze. Dieses Niveau hat er im Juni fast gehalten. Der stationäre Handel dürfte sich dabei weitgehend stabil entwickelt haben, während der Versand- und Internethandel nach den kräftigen Zuwächsen der letzten beiden Monate 8,6 % einbüßte. Der Handel mit Kfz nahm im Mai um mehr als ein Drittel (+34,5 %) zu, liegt aber noch 22,3 % unter seinem Umsatz im Februar. Der scharfe Anstieg bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter im Juli (+87,4 %) deutet aber darauf hin, dass sich der Erholungsprozess zeitnah fortsetzen dürfte. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel verbesserte sich im Juli deutlich. Insgesamt überwiegen inzwischen die positiven Einschätzungen. Das GfK Konsumklima setzte seine V-förmige Erholung fort und wird im August seinen neutralen Bereich wieder erreichen. Bei den Verbraucherpreisen machte sich im Juli die befristete Senkung der Steuern auf den Umsatz spürbar bemerkbar, die anscheinend zu einem beachtlichen Teil an die Verbraucher weitergegeben wird. So sanken die Preise für Waren, die knapp die Hälfte des Warenkorbs ausmachen, gegenüber Juni um 1,9 %. Die Preise für Dienstleistungen sind demgegenüber bei Ausklammerung der preisvolatilen Pauschalreisen im Durchschnitt unverändert geblieben. Die Inflationsrate, also die Preisentwicklung binnen Jahresfrist, wurde leicht negativ (-0,1 %), nachdem sie im Vormonat noch bei +0,9 % lag. Dabei sanken die Preise für Energieprodukte um 6,7 %. Bei Nahrungsmitteln (+1,2 %) fiel die Teuerungsrate um mehr als drei Prozentpunkte. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) verringerte sich im Juli um 0,6 Prozentpunkte auf +0,7 %.

Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit haben sich durch den verbreiteten Einsatz von Kurzarbeit und mit der Belebung der Geschäftstätigkeit stabilisiert. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit sank im Juni nur noch leicht um 40.000 Personen, nachdem sie in den beiden Vormonaten um zusammengenommen 600.000 Personen abgenommen hatte. Das Stellenangebot und somit die Nachfrage nach Arbeitskräften ist aber weiterhin verhalten. Zunächst setzen die Unternehmen vor Neueinstellungen auf eine Rückkehr zur Regel-Arbeitszeit. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sank im Mai saisonbereinigt um 74.000 Personen (April: -268.000 Personen). Die Besserung der Arbeitsmarktlage zeigt sich auch an der Entwicklung der Kurzarbeit. Nach einer Inanspruchnahme durch 6,7 Mio. Beschäftigte im Mai erwartet die Bundesagentur für Arbeit für Juni einen Rückgang auf 4,5 Mio. Personen mit weiter fallender Tendenz. Die registrierte Arbeitslosigkeit sank im Juli dank der Kurzarbeit und anderer arbeitsmarktpolitischer Instrumente saisonbereinigt nach drei Monaten mit heftigen Anstiegen um 18.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen nahm sie saisonüblich leicht auf 2,91 Mio. Personen zu. Rein Corona-bedingt stieg die Arbeitslosigkeit nach Schätzung der BA bisher um ca. 635 Tsd. Personen, wobei die zusätzliche Belastung durch die Corona-Krise von Monat zu Monat kleiner geworden ist. Der Vorjahresabstand ist etwa ebenso hoch. Den Frühindikatoren von IAB, ifo und der BA zufolge dürfte sich die Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt fortsetzen.