Schuldenbarometer: Weniger Privatinsolvenzen im 1. Halbjahr 2013

Bürgel, Pressemitteilung vom 28.08.2013

Im ersten Halbjahr 2013 sank die Zahl der Privatinsolvenzen auf 63.006 zahlungsunfähige Bundesbürger in Deutschland. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang um 3,9 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Schuldenbarometer 1. Halbjahr 2013" der Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Demnach hat sich die Situation der Privatinsolvenzen in Deutschland nach den schwachen ersten drei Monaten in diesem Jahr etwas entspannt. "Grund für die Verbesserung ist vor allem die robuste Binnenkonjunktur, die sich positiv auf die Beschäftigungsquote und die Lohnzuwächse auswirkt", kommentiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin die aktuellen Zahlen. Für das Gesamtjahr geht Bürgel davon aus, dass es in Deutschland zu 126.000 bis 128.000 Privatinsolvenzen kommen wird. "Deutete die Situation nach dem ersten Quartal 2013 auf Jahressicht noch auf steigende Zahlen hin, hat sich die Lage jetzt etwas entspannt. Wir erwarten rund 2.000 bis 4.000 Insolvenzen weniger als im Jahr 2012", resümiert Sellin.

Trotz dieses positiven Ausblicks haben weiterhin viele Menschen Mühe, ihre Zahlungsfähigkeit zu bewahren. Aktuell geht Bürgel davon aus, dass sich die Fallzahlen bei den Privatinsolvenzen in den nächsten Jahren auf einem Niveau zwischen 125.000 und 135.000 Fällen einpendeln werden – auch wenn die Statistik stark von der Situation am Arbeitsmarkt abhängt. Hintergrund: "Arbeitslosigkeit ist und bleibt Ursache Nummer eins für die Zahlungsunfähigkeit von Privatpersonen", betont Sellin. Steigen die Arbeitslosenzahlen, dann klettern auch die Fallzahlen bei den Privatinsolvenzen.

Die Betroffenen müssen nicht zwingend hoch verschuldet sein, um in die Insolvenz zu rutschen. Im Bundesdurchschnitt haben zahlungsunfähige Privatpersonen Schulden in Höhe von circa 28.000 Euro. Bei jungen Bundesbürgern unter 25 Jahren liegt der Schuldendurchschnitt bei unter 10.000 Euro. Privatpersonen haben vor allem Schulden bei Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, Behörden, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften. Die Hauptursachen für Privatinsolvenz sind vor allem Arbeitslosigkeit, dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbständigkeit und Immobilienfinanzierung, Trennung und Scheidung sowie Krankheit. Zudem tragen mangelnde Erfahrungen im Umgang mit Finanzen und Banken sowie ein unpassendes Konsumverhalten massiv dazu bei, dass Bürger zahlungsunfähig werden.

Im Untersuchungszeitraum des ersten Halbjahres wurden bei Betrachtung der absoluten Zahlen die meisten Privatpersonen – 15.108 Fälle – im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen zahlungsunfähig. Die relativen Zahlen – Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner in den Bundesländern – lassen insbesondere nach Bremen blicken: Die Hansestadt meldet im Untersuchungszeitraum mit 129 Fällen je 100.000 Einwohner am meisten Privatpleiten. Es folgen Hamburg (108 Fälle je 100.000 Einwohner), Schleswig-Holstein (103) und Niedersachsen (101). Im Süden hingegen fallen die Zahlen moderat aus, am geringsten in Bayern mit 58 Fällen je 100.000 Einwohner. Nicht viel schlechter schlägt sich Baden-Württemberg (59), gefolgt von Thüringen (66) und Hessen (68). Der Bundesdurchschnitt rangiert bei 78 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner.

Im ersten Halbjahr 2013 steigen die Fallzahlen in nur zwei Bundesländern. Das stärkste Plus verzeichnet Hamburg mit einem Anstieg um 5,1 Prozent auf 1.870 Privatpleiten. Etwas schwächer wirkt sich der Zuwachs in Sachsen-Anhalt aus. Hier ereigneten sich im ersten Halbjahr 2,1 Prozent mehr Privatinsolvenzen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Deutlich weniger Privatpleiten meldet hingegen Thüringen (minus 9,8 Prozent), dicht gefolgt von Sachsen (minus 9,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (minus 8,4 Prozent).

Unter den Personen, die im 1. Halbjahr 2013 Privatinsolvenz anmelden mussten, waren insgesamt 36.633 Männer und 26.373 Frauen. Diese männliche Dominanz zieht sich durch nahezu alle Altersgruppen. Besonders stark ist dieses Ungleichgewicht bei den 51- bis 60-jährigen Schuldnern mit einem Männeranteil von 59,5 Prozent ausgeprägt. Die einzige Ausnahme bilden die 18- bis 20-Jährigen: Hier geraten im 1. Halbjahr mehrheitlich Frauen mit einem Insolvenzanteil von 54,6 Prozent in die Zahlungsunfähigkeit.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Bürgel.

Quelle: Bürgel